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Kulturelles Leben und Brauchtum

Musik
 
Historischer Lehrpfad Kienbergweg Oberau
Historischer Lehrpfad Kienbergweg in Oberau
  Die Einweihung und Eröffnung

fand am Samstag,

den 1. Juli 2000 statt.



Die Kienbergstraße, einmal das am meisten gefürchtete Stück der uralten Handelsverbindung Venedig - Augsburg, ist ein Symbol für die jahrhundertelange Kommunikation zwischen Italien und Oberdeutschland. Viele Berühmtheiten sind auf ihr gereist. Fuhrleute, reitende Boten und Kaufleute benutzten sie für den Austausch von Gütern und Informationen.

Der Lehrpfad zeigt die Meilensteine ihrer Geschichte und zugleich die Historie des Landes - des früheren Klostergerichts Ettal und der Grafschaft Werdenfels -, in das sie eingebettet ist.

Strasse
Die Geschichte der Grafschaft Werdenfels und des früheren Klostergerichts Ettal, zu dem Oberau gehörte, bietet einerseits ein Beispiel für das Errichten künstlicher Grenzen und Zollbarrieren, die inzwischen längst gefallen sind, und andererseits ein Exempel für die jahrhundertelange Verbindung zweier europäischer Kulturen. Etwa 500 Jahre lang, bis 1802, begann im Süden von Oberau ein anderes Staatsgebiet. Die immer wieder, allerdings nur mit Papier und Tinte umstrittene Grenze trennte das Herzogtum Baiern bzw. Kurbaiern von Werdenfels, dem Territorium eines europäischen Kleinstaats, des Hochstifts Freising.

Die steile Kienbergstraße, die von Oberau aus zum Ettaler Sattel führte und zu den gefürchtetsten Abschnitten der alten Handelsstraße Venedig - Augsburg gehörte, war hingegen viele Jahrhunderte ein Stück der Verbindung zwischen mediterraner und deutscher Kultur, zwischen Germania und Romania, wie ein Historiker es einmal formuliert hat. Könige und Fürsten zogen über den Kienberg nach Italien oder kehrten von dort zurück. Pilger wanderten auf der Paßstraße nach Rom. Händler und Fuhrleute brachten Waren aus dem Orient in die Gebiete nördlich der Alpen und belieferten den Süden Europas mit Gütern aus dem Norden. Die Boten der Augsburger Kaufmannschaft ritten in steter Eile mit Nachrichten über die Straße. In Kriegszeiten benutzten marodierende Haufen und Kriegsscharen den Kienbergweg, schikanierten die Anwohner und versorgten sich aus der Umgebung.
Die Anlieger profitierten freilich auch von der uralten Verkehrsverbindung. Vom Vorspanndienst, der wegen der Steilheit des Straßenstücks erforderlich war, hatten die Oberauer Bauern ihren Nutzen, von der Rott die Oberammergauer und Partenkirchner Rottleute, die im Stafettentransport die Güter der Kaufmannschaft beförderten. Die Konkurrenz mit der Oberen Straße, die, wie die Untere Straße, über 24 Rottstationen nach Venedig führte und über den Fern- und Reschenpaß ging, zog immer wieder Verkehr, und damit Einkommen von den Bewohnern der Gegend ab.

Mit der Verlagerung der Welthandelsströme, weg vom Mittelmeer und hin zum Atlantik verlor auch der Kienbergweg nach und nach an Bedeutung. Das Rotthandwerk, ein bäuerliches Nebengewerbe, starb aus. Im Jahre 1889 wurde die Neue Ettaler Bergstraße (B 23) eingeweiht. Zur gleichen Zeit wurde die Eisenbahnstrecke Murnau - Garmisch eröffnet.

 
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